Zinsen Tilgung Wohnkredit Unterschied Kredit
← Kredit-Wissen

Zinsen & Tilgung beim Wohnkredit

1. November 2021
1 Bewertungen

Jeder Kredit und somit auch jeder Wohnkredit, setzt sich bei der Rückzahlung aus zwei Bestandteilen zusammen. Einerseits den Zinsen, andererseits der Tilgung. Beim Annuitätendarlehen werden die Zinsen, als auch die Tilgung, die gesamte Laufzeit über gemeinsam bezahlt. Beim endfälligen Kredit hingegen, werden während der Laufzeit lediglich die Zinsen bezahlt. Details zu diesen beiden Kredit-Formen findest du HIER. Abgesehen von diesen Rückzahlungsarten ist es aber auch wichtig, Zinsen & Tilgung in ihrer Funktion ganz allgemein unterscheiden und verstehen zu können.


Zinsen & Tilgung – Alltagswissen

Wir beginnen am besten mit dem Begriff der Zinsen. Sie stellen nichts anderes dar, als den Preis, der für das zur Verfügung gestellte Geld zu bezahlen ist. Zinsen sind also die Bezahlung, wenn man jemandem Geld leiht. Insofern haben die Zinsen also absolut nichts mit dem ausgeliehenen Geldbetrag selbst zu tun, sondern fallen für die Beschaffung bzw. Bereitstellung des notwendigen Geldes an. Wie du dir im Umkehrschluss wohl jetzt schon denken kannst, ist die Tilgung nun genau jener Betrag, der wiederum nichts mit der Bezahlung für die Bereitstellung zu tun hat, sondern eben der reine, ausgeliehene Geldbetrag. So weit zum Alltagswissen, das wir jetzt hoffentlich aufgefrischt haben!

Zinsen & Tilgung – Spezialwissen

Weil wir mit dem Thema Zinsen & Tilgung damit aber noch nicht am Ende sind, holen wir doch mal kurz aus, denn ganz so einfach ist die Thematik dann doch wieder nicht. Vor allem zum Thema Tilgung gibt es da noch die eine oder andere Information, von der es sich lohnt, sie schon einmal gelesen zu haben.

Tilgung = Rückzahlung

Der Begriff der Tilgung beschreibt nichts anderes, als die Begleichung einer Schuld. Üblicherweise erfolgt eine Tilgung in monatlichen Raten. Diese Raten sind wiederum nichts anderes, als Bruchstücke des gesamten Betrags, und eben diesen Raten werden die Zinsen hinzugefügt, welche, wie bereits erwähnt, die Kosten der Bereitstellung decken. Ein Wohnkredit, bzw. Kredit jeder Art, besteht also aus dem sogenannten Tilgungs- und Zinsanteil. Der Tilgungsanteil ist folglich der Anteil der Rückzahlung des geliehenen Geldes, der Zinsanteil ist jener Anteil, der dafür an Zinsen angefallen ist. Zinsen & Tilgung haben also genau nichts miteinander gemein, werden aber gemeinsam abgerechnet und führen somit gerne zur Verwirrung.

Einen Kredit tilgen, heißt also nichts anderes, als einen Kredit zurückzahlen. Die Tilgung ist also nichts anderes, als der vereinbarte Anteil der Schuld, der zur Zahlung fällig ist.

Tilgung = Rate?

Nein. Die Rate bezeichnet den Betrag des Zins- und Tilgungsanteils in der Regel, also beim gängigen Annuitätendarlehen, zusammen. Kurz gesagt: Rate = Zinsen + Tilgung (Pauschalrate). Allerdings ist es nach Vereinbarung auch möglich, für bestimmte Zeiträume (etwa am Anfang der Kreditlaufzeit) nur die Zinsen, nicht aber die Tilgung zu begleichen. Das nennen wir dann den tilgungsfreien Zeitraum. Damit erhöht sich allerdingsdie Pauschalrate, wenn die Tilgung beginnt und auch der insgesamt zu zahlende Betrag, durch die dafür günstigeren Raten (reine Zinszahlung, verhindert den Anstieg des Schuldbetrags) zu Beginn. Inwiefern solche Vereinbarungen zielführend sind, muss man sich genau ansehen und durchrechnen.

Tilgungsfreie Darlehen

Den Begriff des „tilgungsfeien Darlehens“ gibt es tatsächlich, doch in Wahrheit handelt es sich dabei lediglich um einen ENDFÄLLIGEN KREDIT. Es werden monatlich, während der gesamten Laufzeit, also nur die Zinsen zurückbezahlt. Der Tilgungsbetrag erst dann mit einem Schlag am Laufzeitende. Unter uns und aus Erfahrung: Endfällige Kredite bzw. sogenannte „tilgungsfreie Darlehen“ sind für private Wohnkredite eher unüblich, da es an Sicherheiten mangelt. Wenn überhaupt, dann können Unternehmenskredite in dieser Form aufgenommen werden, sofern valide Tilgungsträger dahinter stehen.

Tilgungsarten

Wenn es nun darum geht, wie getilgt werden kann, so haben wir die drei Möglichkeiten eigentlich schon angesprochen:

1. Pauschalrate

Dabei handelt es sich um die übliche Wohnkredit-Form. Die Rate besteht aus Tilgungs- und Zinsanteil gemeinsam und ist über die gesamte Laufzeit gleichmäßig aufgeteilt. Das bedeutet: Wird die Tilgungsrate erhöht, reduziert sich der Zinssatz und umgekehrt. Auf diese Tilgungsweise kann man sicherstellen, die gesamte Laufzeit lang den selben Betrag zurückzuzahlen, sofern sich der Zinssatz nicht ändert (variable Verzinsung). Wenn der Zinssatz dabei also steigt, steigt auch die Rate, wenn er fällt, fällt die Rate ebenso mit. 

2. Kapitalrate

Dieser Begriff ist etwas verwirrend, denn es geht nicht darum, dass die Raten gleichmäßig verteilt sind, wie bei der Annuitäten-Tilgung, sondern es werden festgelegte Zeitpunkte vereinbart, in der die Rückzahlung fällig ist. Der Zinsanteil wird gesondert gezahlt. Also zum Beispiel wird ein 100.000 Euro-Kredit in 10 Kapitalraten jeweils am 01.04. eines Jahres getilgt, so hat der Kunde 10x 10.000 Euro zu zahlen. Die Zinsen werden hingegen aber monatlich extra verrechnet. Üblich ist diese Form der Rückzahlung etwa bei Firmenkrediten.

3. Außerplanmäßige Tilgung

Dritte und letzte Tilgungsart ist die außerplanmäßige Tilgung, also die, wie wir sie nennen, SONDERTILGUNG. Ob sich diese tatsächlich für den Kreditnehmer lohnt, muss aber immer im Einzelfall geprüft werden. Grundsätzlich würde sich durch eine Sondertilgung die Restlaufzeit verkürzen und die Ratenhöhe bestehen bleiben. Als Kreditnehmer hast du aber auch die Möglichkeit, die Ratenhöhe auf die eigentliche Laufzeit anpassen zu lassen.


load