Dass die Wohnkosten stetig steigen, wissen wir alle. Wir haben uns mit der Entwicklung der letzten zehn Jahre im Detail auseinander gesetzt und Finanzierungs-Experten Diethard Govekar zum Thema befragt.


Diethard Govekar finanziert Immobilien seit über 25 Jahren und hatte dabei Gelegenheit, die Entwicklungen am Markt zu beobachten. Anlässlich der Studie der STATISTIK AUSTRIA vom Juni 2020 haben wir ihn zum Thema “Entwicklung der Wohnkosten“ befragt.

Entwicklung Wohnkosten Österreich

Haus- vs. Wohnungseigentum – Warum die Differenz?

Herr Govekar, bei der aktuellen Statistik der STATISTIK AUSTRIA fällt zu aller erst der Unterschied im Quadratmeterpreis zwischen Wohnungs- und Hauseigentum auf. Woran liegt diese überdurchschnittliche Differenz?

“Nun, ganz einfach: Eine Wohnung ist im Allgemeinen eine Einheit einer gesamten Anlage. Diese Objekte werden in der Regel von Bauträgern errichtet und danach an neue Eigentümer verkauft. Damit ist bei der Errichtung eine Einsparung durch Eigenleistung grundsätzlich schon mal ausgeschlossen. Das wirkt sich natürlich auf den Preis aus. Weiters ist auch der Materialpreis ausschlaggebend, der bei der Errichtung durch einen privaten Bauherren oft günstiger gewählt werden kann. Aus diesen Gründen differenzieren sich die Kosten pro Quadratmeter zwischen Wohnungs- und Hauseigentum entsprechend.“


Was sind Ihrer Erfahrung nach die wesentlichen Kriterien, den den Preis einer Liegenschaft in die Höhe treiben?

“Bis dato war ein wesentlicher Faktor die Lage der Liegenschaft. Österreich an sich hat schon ein sehr hohes Preisniveau, aber auch innerhalb der Regionen gibt es deutliche Unterschiede. Auch die Situation durch Corona hat nicht unbedingt dazu geführt, dass die Nachfrage gesunken ist. Durch den Lockdown im Frühling 2020 haben nun viele den Wunsch nach einem Eigenheim im Grünen. Die Nachfrage bestimmt noch immer den Preis und die ist derzeit entsprechend hoch.“

Haus oder Wohnung?

Sehen Sie anhand dieser Quadratmeterpreise einen größeren Vorteil im Erwerb eines Hauses oder im Erwerb einer Wohnung? Welche Vor- und Nachteile sollten bei der Überlegung berücksichtigt werden?

“Jeder bevorzugt etwas anderes. Wem die persönliche Ruhe und das “ich-kann-tun-und-lassen-was-ich-will“ wichtig ist, wird sich an einer Wohnung wohl wenig erfreuen. Wer im Gegenzug keine Wert auf Gartenarbeit inklusive Schneeräumung legt, sollte die Planung Richtung Wohnung einschlagen. Alles hat seine Vor- und Nachteile und es stellt sich auch immer die Frage, was jemand als Nachteil empfindet. Der Quadratmeterpreis per se sollte nicht über die Art der Immobilie entscheiden. Unter dem Strich geht es immer noch um die Erfüllung eines Traums und der sollte verfolgt werden.“

Kann mach auch beim Verkauf einer Liegenschaft von diesen Quadratmeter-Beträgen ausgehen oder kann nur ein Gutachter den tatsächlichen Wert beziffern?

“Statistiken sind eine tolle Sache, aber nein, die Median-Werte können nicht als Schätzwert herangezogen werden. Tatsächlich kann nur eine professionelle Bewertung Gewissheit verschaffen, wie viel die Liegenschaft tatsächlich wert ist. Aber das muss nicht unbedingt ein Sachverständiger sein. Auch ein seriöser Immobilienmakler kennt die regionalen Märkte idR recht gut und ist somit ein kompetenter Ansprechpartner für eine Einschätzung.“

Wohnkosten-Trends

Der Kauf einer Wohnung scheint seit 2010 stetig zu steigen, oder zumindest auf gleich hohem Niveau zu stagnieren. Beim Hauseigentum hingegen fällt ein höheres Schwankungspotential auf. Welche Trends sehen Sie auf dieser Grundlage für die kommenden drei Jahre?

“Ganz ehrlich? Seit 25 Jahren höre ich immer wieder, dass die Immobilienpreise zu hoch sind und dass in den kommenden Jahren ein Abfall zu erwarten sein wird. Bewahrheitet hat sich das allerdings nie. Meine Erfahrung hat mir gelehrt, dass wir entweder einen drastischen Anstieg haben, oder eben aber Stagnation auf hohem Niveau. Wenn Preise regional sinken, dann nur aufgrund einer Verschlechterung, etwa durch die angrenzende Errichtung einer Autobahn oder 380 KV-Leitung und der gleichen.

Der Anstieg der Nachfrage in den sogenannten ‘Speckgürteln’ ist deutlich zu sehen. Innerstädtisch bleiben die Preise relativ stabil, das bedeutet, dass sie zwar nicht steigen, aber eben auch nicht fallen. Ich denke nicht, dass sich daran in den kommenden Jahren etwas ändern wird. Die Immobilie ist nach wie vor eine beliebte und schlaue Veranlagungsform… Das macht sie zusätzlich nicht günstiger. Stichwort: ‘Grundbuch schlägt Sparbuch’… Da ist schon einiges dran!“

2018 und 2019 stagnieren die Preise – steckt der Markt in einer Art Ohnmacht? Wo schätzen Sie liegen die Werte für 2020?

“Wenn ich diese Frage richtig beantworten könnte, würde ich mittlerweile über ein umfangreiches Vermögen verfügen! – Scherz beiseite… Viele Kolleginnen und Kollegen haben damit gerechnet, dass Mitte 2020 die Preise aufgrund des steigenden Angebots sinken werden. Das ist nicht passiert. Das Gegenteil war der Fall. Die Nachfrage ist gestiegen und die Preise damit ebenfalls. Es ist also davon auszugehen, dass die Nachfrage auch weiter erhalten bleibt und die Preise weiter ansteigen. Meiner Schätzung nach würde ich mit einem Anstieg von zehn Prozent kalkulieren, natürlich abhängig von der Region und Lage.“

Wohnkosten & Kreditkonditionen

Sehen Sie einen direkten Zusammenhang zwischen den derzeit günstigen Kreditkonditionen und der Wohnkosten-Entwicklung? Wenn ja, welchen?

“Ja, absolut. Viele Kunden haben inzwischen erkannt, dass in der aktuell niedrigen Zinslandschaft ein Wohn- bzw. Immobilienkredit günstig wie noch nie ist. Das führt natürlich zu der bereits angesprochenen, erhöhten Nachfrage. Nicht nur bei Krediten, sondern logischer Weise auch bei den Objekten.“

Wie lautet Ihr Tipp an die Welt?

“Wie schon erwähnt: ‘Grundbuch schlägt Sparbuch’. Soll heißen: Es lohnt heute mehr denn je in eine Liegenschaft zu investieren. Trotz oder aber genau wegen der gestiegenen Wohnkosten. In jedem Fall sollte man bei dem Projekt nicht auf die Unterstützung durch einen erfahrenen Profi wie wir es sind, verzichten!“