Vorkaufsrecht Österreich Wohnkredit
← Kredit-Wissen

Vorkaufsrecht in Österreich

1. November 2021
1 Bewertungen

Das Vorkaufsrecht in Österreich ist ein Sonderrecht. Der im GRUNDBUCH festgeschriebene Berechtigte wird damit beim Erwerb der Liegenschaft im Falle des Verkaufs bevorzugt. Er ist also Erstkauf-Berechtigt. Eingetragen wird das Vorkaufsrecht aber von Anfang an. Es geht also darum, dass ein Dritter die Liegenschaft vor allen anderen und zu den gleichen Bedingungen kaufen kann. Grundsätzlich gilt das Vorkaufsrecht in Österreich für Grundstücke, bewegliche und eben unbewegliche Sachen, wird aber vor allem im Bereich der Immobilienfinanzierung angewendet.


Vielleicht starten wir zur besseren Erklärung einfach mit einem Beispiel:

Josef ist Eigentümer einer Wohnung, bei der Reinhard im Grundbuch mit einem Vorkaufsrecht eingetragen ist. Er will nun die Wohnung an Diethard verkaufen, der sich kurzfristig als Interessent gefunden hat. Die beiden schließen also einen Kaufvertrag miteinander ab. Reinhard hat mit seinem Vorkaufsrecht nun die Möglichkeit, die Wohnung noch vor Diethard zu erwerben und eben zu jenen Bedingungen, die Josef mit Diethard im Kaufvertrag festgeschrieben hat. Allerdings hat Reinhard für diese Entscheidung gerade einmal 30 Tage Zeit. Danach erlischt der Anspruch des Vorkaufsrechts für ihn und Diethard kann die Wohnung erwerben.

Das Vorkaufsrecht im Grundbuch

Wie eingangs erwähnt, findest du im Grundbuch (Abteilung 2) der Immobilie, ob ein Vorkaufsrecht besteht. Besonders ist dabei, dass es sich beim Vorkaufsrecht um ein persönliches Recht handelt, das weder übertragbar noch vererbbar ist. Verstirbt also der im Grundbuch eingetragene Eigentümer des Vorkaufsrechts, erlischt damit auch dieses Recht und seine Erben haben keinen Anspruch das Vorkaufsrecht zu übernehmen.

Variante 1: Du hast das Vorkaufsrecht

Um ein Vorkaufsrecht zu erhalten, musst du in erster Linie im Grundbuch damit eingetragen werden. Je nach Komplexität fallen dabei um die 500 Euro an. Bist du grundbücherlich begünstigt, muss der Eigentümer dieser Liegenschaft dir rechtzeitig über den Verkauf – und damit über die genauen Konditionen -Bescheid geben. Dann hast du 30 Tage Zeit, deine Entscheidung zu treffen und musst den Eigentümer darüber schriftlich und fristgerecht informieren. Wichtig zu wissen ist für dich, dass die Konditionen für deinen Erwerb nicht schlechter, aber auch nicht besser sein dürfen als für den anderen Kauf-Bewerber. Wenn du dein Recht nun in Anspruch nehmen möchtest, musst du dafür den vollständigen Kaufpreis zahlen. Wenn das nicht möglich ist, kannst du den Kaufpreis auch via BANKGARANTIE sicherstellen bzw. treuhänderisch hinterlegen.

Variante 2: Jemand anderer hat das Vorkaufsrecht

Nehmen wir an, du erbst eine Immobilie und möchtest diese aber nicht behalten, sondern verkaufen. Und dann stellst du fest, dass ein Vorkaufsrecht im Grundbuch eingetragen ist. Nun, jetzt bist auch du daran gebunden, denn das Recht erlischt im Todesfall nur für den Eingetragenen, aber nicht für dich als Erben des Eigentümers. Das bedeutet, dass dieses Recht auch für dich als Erben weiter zu berücksichtigen ist und alle damit im Zusammenhang stehenden Regelungen unverändert bleiben. Wenn du die Immobilie nun verkaufen möchtest, liegt die Informationspflicht nun also bei dir.

Wenn du den Berechtigten also ordnungsgemäß informiert hast und dieser seine 30-Tage-Frist nicht in Anspruch nimmt, erlischt sein Recht auf Vorkauf. Der Berechtigte kann jedoch auch auf sein Recht verzichten oder aber dies ablösen lassen, sofern du damit einverstanden bist.


load