Scheidung Kredit Umschuldung
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Scheidung, Kredit, Umschuldung?

28. März 2022
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Eine Scheidung ist immer eine schwierige Angelegenheit. Vor allem dann, wenn es um die Sortierung der gemeinsamen Verbindlichkeiten geht. Etwa den gemeinsam abgeschlossenen Wohnkredit. Bei einer Scheidung kann eine Lösung die Umschuldung des Wohnkredits sein, allerdings ist das nicht die einzige Option. Wir schauen uns mal an, wann sich eine Umschuldung überhaupt anbietet und unter welchen Umständen alternative Varianten besser geeignet sind.


Scheidung, Kredit, allgemein

Bevor wir uns den Details widmen, ganz kurz zur Auffrischung der Fakten: Nach dem Ende der Ehe, also durch die Scheidung, endet nicht die Haftung der Kreditnehmer. Ehe-Ende bedeutet somit nicht Haftungs-Ende und infolgedessen auch nicht Kredit-Vertragsende. Für den Fall, dass kein Ehevertrag geschlossen wurde, gilt grundsätzlich, dass alle beweglichen und unbeweglichen Güter zwischen den Partnern aufgeteilt werden. Also auch Immobilien. Die Scheidung an sich ist aber noch kein Grund zu eben dieser Teilung. Vielmehr steht die Frage der Haftung im Vordergrund. Entscheidend ist in erster Linie, wie der Vertrag grundsätzlich ausgerichtet ist. Üblich sind hierfür drei Varianten:

Alleiniger Kredit

Hat nur einer der beiden Ehepartner den Wohnkredit aufgenommen und unterzeichnet, so haftet dieser auch alleine. Für den Partner, der nicht im Vertrag steht, bedeutet das, dass dieser keine Verpflichtungen hat. Dieser muss also auch nicht für die Rückzahlung gerade stehen. Steht der Partner zwar nicht im Vertrag, dafür aber im Grundbuch der finanzierten Liegenschaft, so ist die Sachlage anders. Der im GRUNDBUCH eingetragene Partner ist dann nämlich für die Bank der sogenannte Real-Schuldner und ist daher ebenfalls mit seinem Teil der Liegenschaft als Sicherstellungsgeber der Bank weiter verpflichtet.

Gemeinsamer Kredit

Beim gemeinsam unterzeichneten Kredit haften beide Partner auch gemeinsam und sind gemeinsam die Schuldner. Es haften also beide für die gesamte Kredithöhe und nicht nur, wie viele glauben, nur für die Hälfte! Anders formuliert bedeutet das, dass die Bank auch von nur einem der beiden die gesamte Rückzahlung beanstanden kann.

Bürgschaft

Ist ein Ehepartner der Bürge, kann die Bank von diesem die gesamte Tilgung verlangen, sofern der andere Partner nicht mehr dafür in der Lage ist. Mehr Infos zum Thema Bürgschaft und deren Absicherung findest du übrigens HIER.

Über den gemeinsamen Kredit & seine Trennungsmöglichkeiten

Der gemeinsame Kredit ist mit Abstand die häufigste Variante und gleichsam auch etwas kompliziert, wenn es zur Scheidung kommt. Weitere Infos zum Thema „Wohnkredit bei Scheidung oder Trennung“ gibt's auch HIER. Konkret gibt es 4 Möglichkeiten, diese verzwickte Lage gütlich zu lösen.

1. Lösung: Die Einigung

Wer es schafft, sich zu einigen, kann von dieser Lösung definitiv profitieren. Die Einigung läuft in der Regel auf zwei Möglichkeiten hinaus: Entweder das Paar vermietet die Liegenschaft als gemeinsamen Besitz und tilgt mit den Mieterträgen gemeinsam die noch offenen Raten, oder es kommt zu einer Realteilung. Dabei wohnen beide Partner weiter in der Liegenschaft. Voraussetzung für die Realteilung sind allerdings gewisse, bauliche Gegebenheiten, also entweder ist die Immobilie ohnehin ein Zweifamilienhaus, oder es gibt darin eine Einliegerwohnung, eine Eigentumswohnung oder aber es kann auf zwei Wohneinheiten umgebaut werden. Hilfreich bei der Einigung ist natürlich auch ein gewissermaßen harmonisches Verhältnis, trotz Scheidung. Eine Realteilung kann allerdings nicht einfach so unter sich ausgemacht werden. Die Partner müssen diese notariell beglaubigen und beim Kreditinstitut bekannt geben.

2. Lösung: Die Auszahlung

Möchte ein Partner in der gemeinsam finanzierten Immobilie wohnen bleiben, gibt es die Möglichkeit der Auszahlung. Dabei verkauft der ausziehende Partner seinen Eigentumsanteil dem Partner, der darin wohnen bleiben möchte. Mit der Auszahlung wird der Partner aus der Verbindlichkeit entlassen und dem Grundbuch gelöscht. Der in der Immobilie verbleibende Partner wird damit zum Alleineigentümer und damit auch gleichzeitig zum Alleinschuldner. Die Höhe des Auszahlungsbetrages liegt grundsätzlich bei 50 % des Wertes der Immobilie. Dieser Wert wird von einem Gutachter ermittelt und noch bestehende Restschulden werden von diesem Wert abgezogen. Allerdings: Die finanzierende Bank muss der Auszahlung zustimmen. Das bedeutet für den darin wohnenden Partner, dass dieser entweder eine gute alternative Sicherheit oder aber eine hervorragende Bonität braucht. Problematisch ist auch, dass dieser als Alleinschuldner nun auch den Auszahlungsbetrag stemmen muss.

Aber die Angelegenheit geht noch weiter:

  • Das österreichische Gesetz sieht bei der Höhe der Ausgleichszahlung den Grundsatz der sogenannten Billigkeit vor. Das bedeutet, dass die Ausgleichszahlung anders ausfallen kann, wenn beispielsweise ein zu niedriges Einkommen bei einem Partner vorliegt.
  • Die Auszahlungshöhe ändert sich aber auch, wenn Kinder in der bestehenden Immobilie wohnen bleiben sollen. Der Faktor „Kind“ kann sogar darüber entscheiden, wer der beiden überhaupt in der Immobilie bleiben darf.
  • Basierend auf dem Ehegesetz kann das Gericht auch darüber entscheiden, welcher Partner im sogenannten „Innenverhältnis“ zur Tilgung der Verbindlichkeiten verpflichtet wird. Der andere Partner kann dann zum Ausfallsbürgen ernannt werden und haftet damit weiterhin, sofern der andere nicht zahlungsfähig ist.

3. Lösung: Der Verkauf

In der Praxis können sich nur die wenigsten Partner eine Auszahlung leisten und die somit praktikabelste Lösung ist der Verkauf. Dabei wird die Immobilie veräußert und der daraus entstandene Erlös tilgt die noch offene Restschuld. Problematisch dabei sind zwei Dinge:

1.) Der Verkauf erfolgt meist unter Zeitdruck, was zur Folge hat, dass die Liegenschaft meist unter Wert verkauft wird. Dieser, zur Restschuld noch offene Betrag, ist dann von den beiden Partnern zu tilgen, für den sie in diesem Zeitraum auch noch weiterhin haften.

2.) Handelt es sich bei der Finanzierung um ein fix-verzinstes Modell, müssen die Partner aufgrund der SONDERTILGUNG mit einer PÖNALE von max. 1 % der Restschuld rechnen.

Der Verkauf ist zwar eine unkomplizierte und klare Lösung, allerdings ist er in der Regel auch mit einem finanziellen Verlust aus den genannten Gründen für beide verbunden.

4. Lösung: Die Umschuldung

Neben diesen drei genannten Lösungen gibt es auch die Möglichkeit einer UMSCHULDUNG im Rahmen einer Scheidung. Dabei wird der eine, gemeinsame Gesamtkreditbetrag via Umschuldung getrennt und jeder Partner tilgt autark seinen Kredit, losgelöst, auch von der Haftung, vom anderen. Abgesehen von diesem Vorteil kann sich eine Umschuldung auch dadurch auszahlen, dass jeder Partner neue und derzeit vermutlich günstigere Kreditkonditionen erhält.

Kredit umschulden bei Scheidung

Die Umschuldung bei einer Scheidung hat einige Vorteile:

    1. Jeder haftet für sich selbst.
    2. Jeder Partner kann nun die für sich und seinen neuen Lebensabschnitt passende Finanzierung selbst wählen. Das betrifft etwa
      1. das Finanzierungsmodell, also ob der Kredit fix-, variabel- oder gemischt verzinst werden soll,
      2. die Ratenhöhe, als auch
      3. die Laufzeit.
    3. Das aktuell niedrige Zinsniveau sollte generell für Umschuldungen genutzt werden; nicht nur im Scheidungsfall. Das bedeutet, dass beide Partner für ihren Kredit durch die Umschuldung voraussichtlich weniger zahlen müssen, als bisher.

Wir helfen dir!

Die Scheidung an sich, ist eine verwirrende Zeit. Wir unterstützen dich gerne mit unserem Wissen und unserer Erfahrung und finden gemeinsam die für dich beste Lösung. Alles was du dafür tun musst, ist dich bei uns zu melden!


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