Kreditsicherheiten in Österreich
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Kreditsicherheiten in Österreich

1. November 2021
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Für jeden Wohnkredit ist es hilfreich, der finanzierenden Bank Kreditsicherheiten anzubieten. Doch was zählt als Sicherheit und was nicht? Wir schauen uns im Beitrag die möglichen Formen von Kreditsicherheiten in Österreich an, doch zu Beginn klären wir einmal, was es damit eigentlich auf sich hat.


Kreditsicherheiten in Österreich

Wenn du einen Kreditantrag stellst, wird automatisch deine BONITÄT geprüft. So will es das Gesetz. Ein Teil deiner Bonitätsprüfung betrifft etwaige Schulden. Der andere Teil etwaiges Vermögen, welches als Kreditsicherheit herangezogen werden kann. Die Summe beider Faktoren sagt der Bank, wie hoch das Risiko ist, deine Finanzierung zu bewilligen. Es hilft daher allemal, Sicherheiten anbieten zu können. Vor allem dann, wenn die Bonitätsprüfung nicht so rosig ausfällt wie erwartet.

Durch die Kreditsicherheit erteilst du der Bank also Zugriff auf diese Vermögensanteile, für den Fall, dass du nicht mehr in der Lage bist, deine Schulden bei der Bank zu tilgen. Die Art und Höhe der Kreditsicherheit, ist wiederum von deiner Bonität, als auch von deiner Finanzierung abhängig. In einigen Fällen verlangt die Bank aber nicht nur eine Sicherheit, sondern eine Kombination von unterschiedlichen Sicherheiten.  Es wird also im Einzelfall entschieden, welche Sicherheit für die Finanzierung erforderlich ist. Diese werden natürlich auch im Kreditvertrag vermerkt.

Tipp! Kreditsicherheiten in Österreich sind nicht pauschal festgelegt und können verhandelt werden! Als unabhängiger Kreditmakler übernehmen wir gerne für dich diese Verhandlung.

Arten von Kreditsicherheiten in Österreich

1.) Gehaltsverpfändungen

Gehaltsverpfändungen sind quasi eine Standard-Kreditsicherheit für die Bank. Unterschieden wird dabei zwischen der „offenen“ und der „stillen“ Gehaltsverpfändung. Der Unterschied liegt darin, dass bei der offenen Gehaltsverpfändung dein Dienstgeber durch die Bank informiert wird. Diese sichert sich dadurch nämlich einen Exekutionsrang, der bei einer drohenden Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit nicht unbedeutend ist. Bei der stillen Gehaltsverpfändung erfährt der Dienstgeber hingegen nichts von deinem Zahlungsrückstand. Wenn du deine Kreditrate also nicht zahlen kannst, bekommst du im ersten Schritt eine sogenannte „Fälligstellung“ der gesamten Kreditforderung. Danach hast du zwei Wochen Zeit, der Pfändung deines Gehalts zuzustimmen. Stimmst du nicht zu, wird die Bank Klage einreichen und eine gerichtliche Exekution beantragen.

Übrigens: Stillschweigen gilt in diesem Zusammenhang als Zustimmung!

2.) Hypothek

Eine andere und übliche Kreditsicherheit für die Bank ist die HYPOTHEK, also das PFANDRECHT auf deine Liegenschaft. Die Bank wird dabei ins GRUNDBUCH eingetragen, meist als Höchstbetragshypothek, wodurch auch Zinsen, Spesen und sonstige Kosten abgesichert werden. Allerdings kostet so eine Grundbuchseintragung nicht wenig Geld. In manchen Fällen ist es daher möglich, dass bei der Bank eine einverleibungsfähige Pfandurkunde hinterlegt wird. Aber Achtung: so eine hinterlegte Pfandurkunde gibt der Bank eine klassische Sicherheit, führt im Gegenzug aber auch zu höheren Zinsen. Zudem kann die Bank das Pfandrecht jederzeit ins Grundbuch eintragen. Das kann beispielsweise dann vorkommen, wenn sich deine Einkommenssituation verschlechtert hat. Sobald du deinen Kredit vollständig abbezahlt hast, kann die Löschung aus dem Grundbuch beantragt werden. Natürlich ist auch dies von dir als Kreditnehmer zu bezahlen. Wenn du den Kredit jedoch nicht mehr zahlen kannst, kann die Bank die Versteigerung durch ein gerichtlich beantragtes Exekutionsverfahren veranlassen. Der Erlös aus der Versteigerung geht dann an die Gläubiger, die im Grundbuch hinterlegt sind – in erster Linie also an die Bank.

3.) Versicherungen

Auch der Abschluss spezifischer Versicherungen ist eine für die Bank gängige Kreditsicherheit. Das kann beispielsweise ein Ablebens- oder Berufsunfähigkeits-Versicherung sein. Sichergestellt wird dies in Form einer sogenannten „Vinkulierung„. Das bedeutet, dass eine Auszahlungssperre des Versicherungserlöses eingerichtet wird. Möglich ist aber auch die Verpfändung der Versicherungsansprüche.

Wichtig! Die Höhe der Ablebensversicherungs-Prämie orientiert sich nach dem Absicherungsbetrag, dem Alter, dem Geschlecht und dem Gesundheitszustand des Versicherten. Vergleiche daher unbedingt verschiedene Angebote! Als vertrauensvollen Ansprechpartner empfehlen wir dir: www.rosenstatter.com!

3. a) Kreditrestschuld-Versicherung

Bei der Kreditrestschuld-Versicherung begleicht die Versicherung im Fall einer Zahlungsunfähigkeit oder Insolvenz den noch offenen Kreditbetrag. Die Idee klingt an sich vernünftig, doch wie du dir vielleicht vorstellen kannst, ist das nicht unbedingt eine günstige Versicherung. Ein anderer, gangbarer Weg ist die Absicherung eines Todesfalles, also die sogenannte…

3. b) Ablebens-Versicherung

Dabei wird eine bestimmte Versicherungssumme inklusive Laufzeit und begünstigter Person festgelegt.

Ein Beispiel: Du schließt im Rahmen deines Kreditvertrages eine Ablebens-Versicherung in Höhe von 100.000 Euro auf 20 Jahre ab. Ein tragisches Ereignis führt nach einigen Jahren zu deinem Tod. Zu dem Zeitpunkt müssen noch 60.000 Euro von deinem Kredit zurückbezahlt werden. Nun springt die Ablebens-Versicherung ein und zahlt der Bank an deiner statt die 60.000 Euro. Deine Familie bzw. Hinterbliebenen müssen für den Betrag also nicht aufkommen, das regelt eben die Versicherung. Die restlichen 40.000 Euro gehen dann an die von dir in der Polizze genannten begünstigten Person.

3. c) Er- und Ablebens-Versicherung

Diese Versicherungslösung ist nun nicht nur auf dein Ableben ausgelegt, sondern auch auf dein Erleben. Klar, dass die Prämie dadurch entsprechend höher ausfällt, immerhin berücksichtigt sie in dieser Versicherungsform auch einen Sparanteil. Dieser ist jedoch nur auf den ersten Blick eine gute Sache, denn dieser Sparanteil hat nur wenig mit einem Sparbuch gemein, sondern deckt im wesentlichen nur Verwaltungskosten und Vermittlungsprovisionen.

WICHTIG! Diese Versicherungsform ist in der Praxis nur selten sinnvoll. Allein schon dadurch, dass die Mindestvertragsdauer bei 10 Jahren liegt und eine vorzeitige Beendigung mit hohen Kosten verbunden ist. Oder dadurch, dass die Kreditzinsen höher sind, als der Ertrag dieser Versicherung. Besser ist es, wenn du deinen Ablebensschutz von deinem Sparanteil trennst und lieber höhere Rückzahlungsraten vereinbarst, als parallel etwas anzusparen. Restkredit- und Ablebensversicherung sind in der Regel viel flexibler!

3. d) Arbeitslosenversicherung

Banken bieten häufig auch Versicherungspakete mit dem Schutz im Fall von Arbeitslosigkeit an. Allerdings wird die Prämie dadurch empfindlich teurer und die Auszahlung ist an explizite Kriterien gebunden. Du musst um diese im Ernstfall auch in Anspruch nehmen zu können, beispielsweise ein Jahr ohne Unterbrechung beim selben Dienstgeber beschäftigt gewesen sein und unverschuldet deinen Job verloren haben. Selbst wenn diese beiden Kriterien zutreffen, übernimmt diese Versicherungsform die Zahlung der Kreditrate auch nur für einen bestimmten Zeitraum; erfahrungsgemäß für ein Jahr. Problematisch bei dieser Versicherung ist auch, dass es keine Regelung der SONDERTILGUNG gibt, oder aber welche Rückzahlung der Versicherungsnehmer erhält.

Wenn du dich für diese Versicherung entscheidest, bedenke bitte, dass die monatliche Zahlung weitaus günstiger ist, als eine Einmalzahlung! Bei der Einmalzahlung trägst du nämlich hohe Anfangskosten, die üblicherweise zum Kredit zusätzlich finanziert werden müssen. Dadurch hast du deutlich höhere Gebühren und Zinsen!

4.) Blankodeckungs-Wechsel

Kaum zu glauben, aber wahr: Den Wechsel gibt es noch und Banken lassen sich diesen im Rahmen einer Kreditvereinbarung gerne unterschreiben. Allerdings unter der Auflage, dass der Wechselbetrag oder die -fälligkeit unausgefüllt bleiben. Daher auch der Name Blanko-Wechsel. Die Bank kann diese Daten also gemäß der Wechselwidmungserklärung zu einem späteren Zeitpunkt vervollständigen. Die Wechselwidmungserklärung ist ein gesonderter Vertrag im Rahmen des Kreditvertrags. Die Bank hat dabei den Vorteil, dass sie eine Wechselzahlungsklage einbringen kann. Das bedeutet, dass die Bank im Falle von Zahlungsverzug vom Gericht einen Wechselzahlungsauftrag (WZA) erlassen kann und wenn keine Einwände erhoben werden, diese schneller und billiger einen Exekutionstitel für den Kreditnehmer bzw. Wechselbürgen erhält. Die Bank kann durch den Wechsel also verhältnismäßig schnell auf das Vermögen des Kreditnehmers zugreifen und muss nicht auf den rechtskräftigen Abschluss des Gerichtsverfahrens warten.

5.) Bürgschaft

Bei einer Bürgschaft verpflichtet sich ein Dritter (Bürge) die Forderung anstatt des Schuldners zu zahlen, sofern dieser seinen Verbindlichkeiten nicht mehr nach kommen kann. So weit die Kurzfassung. Detaillierte Infos zum Thema Bürgschaft findest du HIER! Für die Bank ist es im Grunde einerlei, ob Fritz (Schuldner) oder Franz (Bürge) den Kredit bedient. Solange er bedient wird. Insofern ist die Bürgschaft eine Kreditsicherheit, zu der die Bank in der Regel nicht „nein“ sagt.

Achtung! Mit der Bürgschaft gehen zahlreiche Pflichten einher. Der Bürge haftet beispielsweise mit dem Höchstbetrag, sofern keine andere Regelung festgelegt ist. Die Bürgschaft wird aber auch dem KSV gemeldet, wodurch die Bonität des Bürgen stark beeinträchtigt wird. Das bedeutet, dass der Bürge womöglich keinen eigenen Kredit aufnehmen kann.


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