Einen Kredit vorzeitig zurück zu zahlen (zu tilgen) ist auch bei der derzeitigen Marktsituation und auch trotz des niedrigen Zinsniveaus eine grundsätzlich gute Idee. Aber auch die Ablöse eines laufenden Kredits kann unter bestimmten Voraussetzungen ein gangbarer Weg sein. Wir haben unseren Finanzierungsexperten Hansjörg Peer vom Standort Bad Ischl nach seiner Meinung zu diesen Themen befragt.


schlau-finanziert: Hansjörg, was spricht für eine vorzeitige Rückzahlung eines Kredits, wenn die Zinsen im Moment so glücklich niedrig sind?

Hansjörg Peer: „Wenn jemand in die Lage kommt, sich über eine vorzeitige Rückzahlung Gedanken zu machen, so geht damit in der Regel eine Erbschaft oder ein anderer, unverhoffter Geldsegen einher. Da stellt sich nun mal die grundsätzliche Frage: Was tun, mit diesem Batzen Geld? Immerhin sind ja nicht nur die Kreditzinsen derzeit extrem niedrig, sondern auch die Zinsen für Veranlagungen. Es macht somit ganz klar keinen Sinn, das Geld auf die Bank zu bringen und dort zu bunkern bzw. anzulegen. Bevor also der Realwert des Barvermögens durch Anlagen schrumpft, macht es weitaus mehr Sinn, dieses Kapital für die Rückzahlung des Kredits heranzuziehen. Die damit nicht mehr zu zahlende Rate schafft auf diese Weise eine monatlich frei verfügbare Liquidität und somit eine verminderte Ausgabenbelastung.“

schlau-finanziert: Neben der vorzeitigen Rückzahlung besteht ja auch die Möglichkeit, einen Kredit abzulösen. Worauf kommt es dabei an?

Hansjörg Peer: „Im Gegensatz zur vorzeitigen Rückzahlung wird bei der Ablöse ein laufender Kredit, beispielsweise beim Kauf einer Liegenschaft, mit dem noch offenen Saldo vom Käufer übernommen. Der Kredit wechselt also den Besitzer, das ist bei der vorzeitigen Rückzahlung ja nicht der Fall. Der Käufer tritt bei einer Ablöse für den Verkäufer, also den ehemaligen Liegenschaftseigner, in das noch laufende Kreditverhältnis ein. Das bedeutet aber nicht, dass der laufende Kreditvertrag einfach so 1:1 übernommen werden kann. Der neue Kreditnehmer, also der Käufer der Liegenschaft, muss dennoch der Kreditfähigkeitsprüfung der finanzierenden Bank standhalten. Ist dem so, dann kann der Kreditvertrag abgelöst werden. Die Prüfung für die Kaufimmobilie hingegen entfällt, da sie ja bereits als Sicherheit bei der Bank eingetragen ist.“

schlau-finanziert: Bleiben wir beim Thema der Kreditablöse. Was ist der Vorteil dabei? 

Hansjörg Peer: „Für eine Kreditablöse spricht für den künftigen Kreditnehmer auf jeden Fall einmal, dass er sich einen wesentlichen Teil der Finanzierungskosten spart. Wegen der Kreditwürdigkeitsprüfung muss er zwar trotzdem mit einer anteiligen Bearbeitungsgebühr rechnen, aber die Kosten für die Eintragung des Pfandrechts, also die Eintragung der Hypothek, die Beglaubigungs- und Grundbuchskosten hingegen fallen schon einmal weg. In Summe kann von einer Ersparnis von 1,50 – 1,60 % des Kreditbetrags durch die Einmalkosten ausgegangen werden.“

schlau-finanziert: Als Kreditnachfolger habe ich hingegen schon den Nachteil, dass die Finanzierung anno dazumals vielleicht zu völlig anderen Konditionen von statten ging und muss ja dennoch die Kosten tragen, oder?

Hansjörg Peer: „Ja, das liegt in der Natur der Sache. Um das Für und Wider wirklich detailliert abbilden zu können, ist eine genaue Prüfung und Gegenüberstellung der Kosten im Rahmen eines Beratungsgesprächs mit uns unerlässlich. Es ist in der Tat so, dass bereits laufende Kredite schlechtere Konditionen aufweisen, als neu genehmigte Darlehen. Der Kreditnachfolger muss also damit rechnen, einen Kreditvertrag mit nicht mehr marktkonformen Zinssätzen zu übernehmen.“

schlau-finanziert: In welch einem Rahmen kann sich so ein Nachteil abspielen? Von welchen Dimensionen reden wir?

Hansjörg Peer: „Pauschal lässt sich das natürlich nicht beziffern. Zu viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Aber nehmen wir einmal an, ein Bauspardarlehen zu übernehmen:

Der Zinssatz bewegt sich dabei zwischen 2,90 – 3,50 %, dafür fallen keine Nebenkosten von etwa 1,60 % an. Bei einer Neufinanzierung würde der variable Zinssatz irgendwo bei 1,30 % liegen, zuzüglich der Nebenkosten. Das erste Jahr würde mir im Fall der Ablöse Zinsen von 2,90 % kosten, die Neufinanzierung ebenso (Anm.: 1,60 + 1,30 %). Der Unterschied macht sich aber erst im zweiten Jahr bemerkbar, wenn bei der Neufinanzierung der Anteil der Nebenkosten wegfällt. Dann liegt der Betrag der Ablöse nämlich noch immer bei 2,90 %, die Neufinanzierung hingegen nur mehr bei 1,30 %. Natürlich kommt dann noch dazu, dass man sich das mit der Laufzeit genau anschauen muss, oder aber etwaige Klauseln, die im abzulösenden Vertrag unter Umständen veranschlagt sind. In jedem Fall ist das Thema Kreditablöse kein Honigschlecken und ich kann wirklich nur jedem empfehlen, sich so eine Ablöse bis ins Detail von uns durchrechnen zu lassen und erst dann zu unterschreiben. Andernfalls kann ein übereilter Entschluss schon ins Auge gehen!“