Hauskredit kann nicht mehr bezahlt werden – was nun?

Florian Rosenstatter: „Nun, ganz allgemein? Kann der HAUSKREDIT nicht mehr bezahlt werden, wird die Bank versuchen, ihr Geld wieder zu bekommen. Daran gibt es gar nichts schön zu reden. Das ist einfach so. Doch wie sich so eine Sachlage lösen lässt, ist auch ganz stark vom Kreditnehmer selbst abhängig.“

Wie kann der Kreditnehmer in solch einer Situation richtig handeln?

Florian Rosenstatter: „Die Zahlungsunfähigkeit ist zumeist ja kein spontanes Ereignis das von heute auf morgen auftritt. Es ist daher ganz, ganz wichtig, dass der Kreditnehmer so früh wie möglich mit der Bank in Kontakt tritt. Bitte nicht erst dann, wenn bereits ein Ratenverzug vorliegt. Je eher der Kreditnehmer aktiv wird, desto bemühter wird die Bank sein, eine gemeinsame Lösung zu finden. Für die Bank spielt natürlich der Grund für die Zahlungsunfähigkeit die größte Rolle. Darin lässt sich absehen, ob es sich um einen temporären oder um eine dauerhaften Zustand handelt.“

Was wäre eine temporäre, was ein dauerhafte Zahlungsunfähigkeit?

Florian Rosenstatter: „Nun, stirbt beispielsweise ein Kreditnehmer und hat keine entsprechende VORSORGE abgeschlossen, so hat der zweite im Vertrag genannte Kreditnehmer ein handfestes Problem. Oder in Krankheitsfällen, die in die Pension bzw. in die Berufsunfähigkeit führen. Auch in so einem Fall wird der Kreditnehmer mit der Pensions- bzw. BU-zahlung die Rate nicht mehr stemmen können. Die Bank wird solch einen Umstand als dauerhaften Zahlungsausfall bewerten. Auch Scheidungen können so ein Fall sein – außer der Partner, der die Liegenschaft vollständig übernimmt kann die dauerhafte Zahlung sichern. Wenn dem nicht der Fall ist, so bleibt nur der Verkauf bzw. die VERSTEIGERUNG der Immobilie. Temporäre Zahlungsunfähigkeit wäre beispielsweise die Karenz, oder die Berufsunfähigkeit bzw. Arbeitslosigkeit. Es geht dabei darum, ob der Kreditnehmer in absehbarer Zeit wieder im Job, bei ähnlichem Verdienst, Fuß fassen kann. Für die Bank kommt es also auf die Entwicklung des Kreditnehmers an, ob dieser in Zukunft in der Lage ist, seine Verbindlichkeiten wie bisher zu begleichen, oder aber nicht.“

Angenommen es handelt sich um einen temporären Zahlungsausfall…

Florian Rosenstatter: „Da die Bank daran interessiert ist, ihr Geld in der vereinbarten Form wieder zu bekommen, wird sie bemüht sein, eine gemeinsame Lösung zu finden. Wichtig ist halt wirklich, an die Bank rechtzeitig heran zu treten und den guten (Zahlungs-)Willen zu zeigen. Vermutlich wird die Bank einen Aufschub gewähren. Das kann bedeuten, dass man beispielsweise nur die Zinsen zu zahlen hat. Stehen wirklich gar keine Mittel zur Zahlung zur Verfügung, kann man eine „STUNDUNG“ beantragen. Das bedeutet, dass weder Tilgung, noch Zinsen für den von der Bank festgelegten Zeitraum zu begleichen sind. Bedenken sollte man aber in jedem der beiden Fälle, dass die Bank einen „Risikoaufschlag“ veranlassen wird – also die Zinsen werden zukünftig höher ausfallen als bisher.“

… und für den Fall des dauerhaften Zahlungsausfalls?

Florian Rosenstatter: „Ist wirklich keine Zahlung mehr möglich, erhält man von der Bank eine Galgenfrist. Die beträgt etwa drei Monate. In dieser Zeit kann der Kreditnehmer noch versuchen die Immobilie selbst zu verkaufen. Oder aber, er findet eine andere Lösung zur Zahlung des gesamten, noch offenen Betrages. Das kann die Familie sein, oder die Auflösung von Ansparprodukten, je nachdem, wie viel noch offen ist. Wenn die Bank den Kredit einmal „fällig“ stellt, bedeutet das nichts anderes, als dass die Bank den VERTRAG KÜNDIGT. Dann hat der Kreditnehmer alle Schulden umgehend zu begleichen und erhält einen negativen KSV-Eintrag. In den ersten drei Monaten steht es dem Kreditnehmer noch frei, wie er die Schulden zu begleichen versucht. Danach kommt es zur Versteigerung – ob der Kreditnehmer will oder nicht.“

Kann eine UMSCHULDUNG dann noch helfen?

Florian Rosenstatter: „Nein, unter keinen Umständen. Ist der Kreditnehmer zahlungsunfähig, nimmt ihn keine andere Bank mehr. Alleine durch den KSV-Eintrag war es das.“