Steht die Scheidung bzw. Trennung ins Haus und wurde aus der Ewigkeit letzten Endes doch ein recht absehbarer Zeitraum, so kommt es nicht selten vor, dass die Situation durch eine gemeinsam erworbene Liegenschaft zusätzlich verkompliziert wird. Und tatsächlich, hier brauchen wir uns nichts vormachen: Ein gemeinsamer Hauskredit in einer Scheidungssituation ist ein ernst zunehmendes und handfestes Problem, das definitiv nicht in die Kategorie „das-wird-schon-irgendwie-wieder“ fällt. Ganz aussichtslos ist auch diese Situation dennoch nicht.

Ein Trennungs- bzw. Fallbeispiel

Theresa und Max sind nun schon 14 Jahre verheiratet. Nach vier Ehejahren haben sie dazu entschieden, ein Haus zu kaufen. Inklusive Nebenkosten beliefen sich die Kosten auf € 262.00 Euro, abzüglich Eigenmittel in Höhe von € 70.000 belief sich die Kreditsumme auf € 192.000 bei einer Laufzeit von 240 Monaten und einem Fixzins von 2,15 %. Mit einer monatlichen Rate in Höhe von € 1.040,- blieb nach zehn Jahren ein Saldo (Restschuld) von € 137.481,- übrig.  In beider Leben hatte sich seither viel geändert wodurch das Zusammenleben stetig schwieriger wurde und die Entscheidung für eine Scheidung fiel.

Der Kredit wurde anno dazumals natürlich auf beide berechnet und die Leistbarkeitsrechnung stellte sich entsprechend positiv dar, wodurch eine Ratehöhe von € 1.040,- möglich war. Würde die Kalkulation nun allerdings nur einen der beiden berücksichtigen, wäre die Sachlage eine ganz andere und die Finanzierung wäre unter Umständen nicht tragbar. Theresa könnte mit ihrem Einkommen in Höhe von € 2.800,-, unter der Annahme einer fiktiven Rate bei einer Restlaufzeit von zehn Jahren, die Restschuld in Höhe von € 1.276,- noch gerade so tilgen. Nicht so Max, mit seinem Einkommen von gerade einmal € 1.400,-. (Berechnung zum leichteren Verständnis in der Annahme, dass der ausscheidende Kreditnehmer keinen Anspruch auf das verbleibende Eigentum stellt und auch keine Ansprüche auf eine Abgeltung der eingebrachten Eigenmittel oder von ihm eingebrachten Eigenleistungen während der Bauphase stellt.)

Freikaufen

Für jeden Hauskredit bei einer Scheidung oder Trennung ist die Höhe der noch offenen Restschuld das ausschlaggebende Kriterium, denn will einer die Immobilie trotz Scheidung behalten, so muss er über die finanziellen Möglichkeiten verfügen, die Restschuld alleine tilgen zu können, damit der Partner sich aus der Haftung ‚freikaufen‘ kann. In unserem Beispiel wäre dazu nur Theresa durch ihr Einkommen von € 2.800,- bei einer fiktiven Ratenhöhe von € 1.276,- in der Lage.

Aus der einst gemeinsamen Leistbarkeitsrechnung werden also zwei getrennte Leistbarkeistrechnungen erstellt. Sie geben darüber Auskunft, ob und wer die Tilgung der Restschuld übernehmen kann. Wichtig ist, Banken sind nicht verpflichtet einen Kreditnehmer aus der Haftung zu entlassen. Auch kann nur ein Scheidungsrichter gemäß Konsumentenschutzgesetz die Kreditnehmerschaft in eine Ausfallsbürgschaft umstellen lassen. Ist es dem Paar ein Anliegen, kein gemeinsames Haus mehr finanzieren so müssen, oder aber ergibt die Leistbarkeistrechnung für beide ein negatives Ergebnis, so bleibt nur noch die zweite und letzte Option übrig:

Verkaufen

Das Ziel beim Verkauf eines sogenannten ‚Scheidungshauses‘ ist, dass der Verkaufserlös die noch offene Restschuld tilgt, wodurch beide Kreditnehmer ihre Verpflichtungen der Bank gegenüber erfüllen und keiner das alleinige Haftungsrisiko zu tragen hätte. Aus Erfahrung wissen wir, dass es sich beim Verkauf von Scheidungshäusern meist um eine dringliche Veräußerung unter Zeitdruck handelt die schnell abgewickelt werden muss, wodurch der tatsächliche Erlös oft unter dem Wert der Liegenschaft liegt. Dadurch kann es schon vorkommen, dass auch nach dem Verkauf ein Teil der Restschuld übrig bleibt, den beide Scheidungspartner zukünftig tilgen müssen.

Im Beispielfall: Angenommen, Theresa und Max entscheiden sich für den Verkauf und erhalten daraus eine Summe in Höhe von € 100.000,- müssen sie die noch offene Restschuld in Höhe von € 37.481,- gemeinsam tilgen, ob als Paar oder getrennt.

Eventuell wäre für Max und Theresa eine Umschuldung (trotz Wiederanfall von Finanzierungsnebenkosten) eine Lösung die sich mit besseren Konditionen am Ende sogar als Vorteil herausstellt.


Tipp

Scheidungsfälle sind in jedem Fall hoch komplex und können nur schwer verallgemeinert werden. Um die wirklich beste finanzielle Lösung zu finden empfiehlt es sich, einerseits einen Anwalt, andererseits auch einen Finanzierungsexperten für die bestmögliche Lösung zu Rate zu ziehen.

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