schlau-finanziert
Lade Inhalte...
Kredit Scheidung Trennung Haus
← Kredit-Wissen

Wohnkredit bei Scheidung oder Trennung

15. April 2019
4 Bewertungen

Steht die Scheidung bzw. Trennung an, so kommt es häufig vor, dass die Situation durch den gemeinsamen Hauskredit zusätzlich verkompliziert wird. Und tatsächlich, hier brauchen wir uns nichts vormachen. Ein gemeinsamer WOHNKREDIT bei Scheidung oder Trennung ist ein ernst zunehmendes und handfestes Problem. Es gehört definitiv nicht in die Kategorie „das-wird-schon-irgendwie-wieder“. Ganz aussichtslos ist auch diese Situation dennoch nicht.


Wohnkredit bei Scheidung oder Trennung – Fallbeispiel

Theresa und Max sind nun schon 14 Jahre verheiratet. Nach vier Ehejahren haben sie dazu entschieden, ein Haus zu kaufen. Inklusive NEBENKOSTEN beliefen sich die Kosten auf € 262.00 Euro. Abzüglich Eigenmittel in Höhe von € 70.000 belief sich die Kreditsumme auf € 192.000. Die Laufzeit betrug 240 Monaten bei einem Fixzins von 2,15 %. Mit einer monatlichen Rate in Höhe von € 1.040,- blieb nach zehn Jahren ein Saldo (Restschuld) von € 137.481,- übrig.  In beider Leben hatte sich seither viel geändert. Das Zusammenleben wurde stetig schwieriger und die Entscheidung für eine Scheidung fiel.

Der Kredit wurde anno dazumal natürlich auf beide berechnet. Die LEISTBARKEITS-RECHNUNG stellte sich entsprechend positiv dar, wodurch eine Ratenhöhe von € 1.040,- möglich war. Würde die Kalkulation nun allerdings nur einen der beiden berücksichtigen, wäre die Sachlage eine ganz andere. Die Finanzierung wäre unter Umständen nicht tragbar.

Theresa könnte durch ihr Einkommen von € 2.800,-, und einer FIKTIVEN RATE mit Restlaufzeit von zehn Jahren, die Restschuld von € 1.276,- noch tilgen. Nicht so Max, mit seinem Einkommen von € 1.400,-. (Berechnung zum leichteren Verständnis in der Annahme, dass der ausscheidende Kreditnehmer keinen Anspruch auf das verbleibende Eigentum stellt. Zudem stellt er keine Ansprüche auf Abgeltung der eingebrachten Eigenmittel, oder der von ihm eingebrachten Eigenleistungen während der Bauphase.)

Optionen für den Wohnkredit bei Scheidung oder Trennung

Freikaufen

Für jeden HAUSKREDIT bei einer Scheidung oder Trennung, ist die Höhe der noch offenen Restschuld das ausschlaggebende Kriterium. Will einer die Immobilie trotz Scheidung behalten, so muss er über die finanziellen Möglichkeiten verfügen. Das bedeutet, er muss in der Lage sein, die Restschuld alleine tilgen zu können. Der Partner kauft sich aus der Haftung ‚frei‘. In unserem Beispiel wäre dazu nur Theresa durch ihr Einkommen von € 2.800,- bei einer fiktiven Ratenhöhe von € 1.276,- in der Lage.

Aus der einst gemeinsamen HAUSHALTSRECHNUNG werden also zwei getrennte LEISTBARKEITS-RECHNUNGEN erstellt. Sie geben darüber Auskunft, ob und wer die Tilgung der Restschuld übernehmen kann. Wichtig ist, Banken sind nicht verpflichtet einen Kreditnehmer aus der Haftung zu entlassen. Auch kann nur ein Scheidungsrichter gemäß Konsumentenschutzgesetz die Kreditnehmerschaft in eine Ausfallsbürgschaft umstellen lassen.

Soll das Haus nicht mehr finanziert werden, oder ergibt die Leistbarkeitsrechnung für beide ein negatives Ergebnis, bleibt nur noch die zweite und letzte Option:

Verkaufen

Das Ziel beim Verkauf eines sogenannten ‚Scheidungshauses‘ ist, dass der Verkaufserlös die noch offene Restschuld tilgt. Dadurch erfüllen beide Kreditnehmer ihre Verpflichtungen der Bank gegenüber und keiner trägt das alleinige Haftungsrisiko. Die Erfahrung zeigt, dass der Verkauf eines Scheidungshauses meist eine dringliche Veräußerung unter Zeitdruck ist. Sie muss in der Regel schnell abgewickelt werden. Der tatsächliche Erlös liegt daher oft unter dem eigentlichen Wert der Liegenschaft. Es kann aber schon auch vorkommen, dass nach dem Verkauf ein Teil der Restschuld übrig bleibt. Diese müssen beide Scheidungspartner tilgen.

Im Beispielfall: Angenommen, Theresa und Max entscheiden sich für den Verkauf und erhalten daraus eine Summe in Höhe von € 100.000,- müssen sie die noch offene Restschuld in Höhe von € 37.481,- gemeinsam tilgen. Ob als Paar oder getrennt spielt für die Bank keine Rolle.

Eventuell wäre für Max und Theresa eine UMSCHULDUNG (trotz neuer Finanzierungs-NEBENKOSTEN) eine Lösung. Die damit einhergehenden, aktuell günstigen Konditionen stellen sich am Ende unter Umständen als Vorteil heraus.

Tipp

Scheidungsfälle sind in jedem Fall hoch komplex und können nur schwer verallgemeinert werden. Um die wirklich beste finanzielle Lösung zu finden empfiehlt es sich, einerseits einen Anwalt, andererseits auch einen Finanzierungsexperten für die bestmögliche Lösung zu Rate zu ziehen.


load