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Fremdwährungskredit Historisch Was ist passiert
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Wie es zum bitteren Ende des Fremdwährungskredits kam…

16. November 2020
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Unser „Zeitzeuge“ DIETHARD GOVEKAR hat in seinem Leben so einiges erlebt. Unter anderem den Anfang und das bittere Ende des Fremdwährungskredits zwischen 1990 und 2008. Wir haben ihn gebeten, mit uns über den Werdegang und die Hintergründe dieser Finanzierungsform zu sprechen und seine Erfahrung und Erlebnisse in diesem Bericht festgehalten. Eine historische Würdigung des Fremdwährungskredits…


Prolog

„Es wird 1992 gewesen sein, als der Fremdwährungskredit in Österreich schlagartig populär wurde. Alle wollten ihn haben, jeder war von der Finanzierungsform vollends überzeugt. Die eigene Währung, der Schilling und der damit verbundene Zinssatz, wurde durch weltwirtschaftliche Ereignisse mitbestimmt. Die Ölkrise, der Jugoslawische Bürgerkrieg oder der erste Golfkrieg,… all diese Ereignisse nahmen auf den Schilling und seinen Zinssatz verheerenden Einfluss. Kreditnehmer des hypothekarisch besicherten Kreditgeschäfts mussten Zinssätze von bis zu 14 % hinnehmen. Bei der heutigen Lage,… kaum mehr vorstellbar. Doch eben genau da liegt der Anfang jener Geschichte, die als Hype begann und zu einem bis heute bitteren Ende führte…“

1. Kapitel

Der Anfang des Fremdwährungskredits

„Der Schilling und sein Zinssatz waren am Anfang der 90er, wie bereits erwähnt, in gigantische Höhen angestiegen. Eine Immobilienfinanzierung war damit für die meisten unleistbar. Der Traum vom Eigenheim, vom eigenen Haus, lebte aber dennoch weiter. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis der österreichische Kreditkunde feststellte, dass andere Nationen günstigere Zinsen haben. Was also lag demnach näher, als den Kredit in eben solch einem Land aufzunehmen? Die Idee eines Fremdwährungskredits war somit geboren.“

2. Kapitel

Währung

„Die Idee war also am Tisch. Die Nachfrage groß. Und Kreditgeber schnell gefunden. Man muss sich vor Augen führen: Der Zinssatz der Schweizer Franken lag im historischen Vergleich etwa 1,50 % unter dem Schilling. Diese Differenz war also durchaus lohnenswert, noch dazu, weil die beiden Währungen zueinander äußerst stabil waren. Mit Schwankungen war also nur unter äußersten Umständen zu rechnen. Neben dem Schweizer Franken war aber auch der Japanische Yen eine äußerst attraktive Fremdwährung. Er lag im Durchschnitt sogar 2,50 % unter dem Schilling, doch das Währungskurs-Verhältnis ihm gegenüber war doch recht schwankend. Obgleich Kritiker auf das Schwankungsrisiko aufmerksam gemacht hatten, waren die Kunden vom Kursgewinn-Potential felsenfest überzeugt und sahen in ihren Fremdwährungskrediten oft und gern den Weg zum schnellen Geld.“

3. Kapitel

Fluchtwährung

„Die so erwirtschafteten Kursgewinne mussten natürlich zeitgerecht in Sicherheit gebracht werden. So viel Angst hatte man vor Kursschwankungen dann doch. Also bediente man sich dem Holland Gulden und der Deutschen Mark. Diese beiden Währungen waren im Zinssatz zwar günstiger wie der Schilling aber dennoch teurer wie der Schweizer Franken oder die Japanischen Yen. Die Kursgewinne wurden also in diese sogenannten 'Fluchtwährungen' konvertiert.“

4. Kapitel

Handverlesen

„Zu diesem Zeitpunkt waren die Banken bei der Vergabe von Fremdwährungskrediten noch sehr sorgsam. Nur Kunden mit einem sehr guten Einkommen, welche sich auch die wirtschaftlichen Risiken leisten und den Gesamtkontext solch einer Finanzierung auch verstehen konnten, wurden mit einem Fremdwährungskredit ausgestattet. Die Rückzahlung wiederum erfolgte durch eine laufende Tilgung in Pauschalraten. So wie ein herkömmliches ANNUITÄTEN-Darlehen. Das Finanzierungsmodell war also gewinnversprechend, konservativ und verhältnismäßig sicher. Doch dabei sollte es eben nicht bleiben…“

5. Kapitel

… und dann ging's so richtig ab…

„So sorgsam sich die Banken auch um ihre Kunden bemühten… ihre kostenbewussten Fremdwährungs-Kreditnehmer erkannten im Laufe der Zeit auch, dass sie für ihren Kredit zwar nur 4,500 % zahlen, im Ansparbereich aber 6,00 % Zinsen bekommen. Sie schlussfolgerten demnach, dass es doch klug wäre, nur die Zinsen zurück zu zahlen, das Geld mit dem höheren Zinssatz anzulegen und den gesamten Betrag erst am Ende der Laufzeit durch die angesparte Einlage zurückzuzahlen. Auf diese Weise würde aus dem Zinsgegengeschäft noch ein Gewinn abfallen! – Naja,… mit diesem Modell war dann eben der endfällige Fremdwährungskredit geboren und damit sind wir am Anfang vom Ende des Fremdwährungskredits.“

6. Kapitel

Oh Fortuna!

„In die Zukunft konnte man damals natürlich auch noch nicht schauen. Aber man konnte sich der Kurs-Daten der Vergangenheit bedienen, die rosige Fremdwährungskredit-Zeiten verhießen. So gab es alle acht bis zehn Jahre weltweite Hochzins-Phasen, die üblicherweise für etwa ein Jahr lang anhielten. Diese Hochzins-Phasen führten zu steigenden Zinsen und zu fallenden Währungskursen. Aber es gab alle acht bis zehn Jahre auch Tiefzins-Phasen, in denen sich die Kurse gegengleich verhielten. Unter dem Strich blieb für Fremdwährungskreditnehmer somit alles gleich (risikoarm). Auch für die Banken war zu der Zeit noch alles in bester Ordnung, denn die Daten der Vergangenheit ermöglichten den Verkauf eines tollen Produkts, das auch zu immer risikofreudigeren Kunden führte, die entsprechenden Druck auf die Banken ausübten. Mit dem schwindenden Risikobewusstsein begann man nun mit gehebelten Finanzierungsmodellen. Der Anspar-Betrag wurde dabei einmalig verlangt und sollte den Kreditbetrag am Ende erzielen und gleichzeitig tilgen. Dieses Einmal-Investment wurde aber zum Kreditbedarf dazu finanziert. Und so führte eines zum anderen und alles zum Ende.“

7. Kapitel

Das bittere Ende des Fremdwährungskredits

„Mit dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 machte es dann Bang!, denn plötzlich und seither liegt das weltweite Zinsniveau am absoluten Tiefstand. Für Kreditnehmer heute ist das eine gute Sache, denn immerhin war der Wohnkredit noch nie günstiger. Doch für Fremdwährungskreditnehmer bedeutet der Tiefstand des Zinsniveaus auch, dass ihre Ansparungsprodukte (Tilgungsträger) keine Gewinne mehr erwirtschaften. Nun,… die Kurse sind gestiegen und mit ihnen natürlich auch die Währungsverluste. Rückgängig lässt sich da natürlich nichts mehr machen. Fremdwährungskreditnehmer haben nur noch die Chance, ihre Verluste durch eine entsprechende Umschuldung bzw. Konvertierung in Euro abzufedern. Damit das gelingt, sollte man allerdings nicht mehr zu lange warten!“

Epilog

„So schnell und ohne Vorwarnung war also das Ende des Fremdwährungskredits gekommen und mit einem Schlag der Finanzkrise erlegen. Diese hat natürlich niemand kommen sehen. Schon gar nicht in diesem Ausmaß. Das heute verpönte Produkt „Fremdwährungskredit“ war, und so fair muss man sein, zu damaliger Zeit die gefragteste Lösung, um eine Immobilie überhaupt finanzieren zu können. Insofern muss das Finanzierungsmodell immer unter Berücksichtigung der Zinsen des damaligen Schillings betrachtet werden. Immerhin ist dieser nicht minder schuld an dieser Entwicklung.“

Gewusst? Im Jahr 1820 war 1 Gulden 20,02 Euro wert. Zum Beginn des Ersten Weltkriegs lag der Wert des Schillings bei umgerechnet 3,73 Euro. 1990 war 1 Schilling gerad einmal 0,13 Euro wert. 2008 dann 1,22 Euro… ZUM HISTORISCHEN WÄHRUNGSRECHNER

Wie es zum bitteren Ende des Fremdwährungskredits kam…: Diethard Govekar

Diethard Govekar

Vertriebsleitung. Leitung Partnervertrieb

Ich wurde geboren......
am 10.10.19??
Wenn zu mir jemand ins Büro kommt, schaue ich zuerst,......
dass ich pünktlich bin.
Am besten kann ich......
auf Menschen eingehen.
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die ideale Kombination aus Erfahrung, Wissen und Kundenorientierung.
Bisher war ich......
im Dienste einer Bausparkasse viel unterwegs.
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auch mal erwachsen.
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