Eigenleistung Hausbau
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Eigenleistung beim Hausbau

1. November 2021
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Der Erwerb von Eigentum wird durch die aktuellen Immobilien-Preise, das -Angebot, als auch etwaige Liefer- und Personalengpässe immer schwieriger. Vielen angehenden Häuslbauern schwebt jetzt das Wort „Eigenleistung“ vor, ein naheliegender Gedanke. Wir schauen uns in diesem Beitrag an, wie du dadurch deine Baukosten senken kannst, welches Einsparungspotential wirklich dahinter steckt und natürlich alle dazugehörigen Vor- und Nachteile.


Eigenleistung allgemein

Unter Eigenleistung beim Hausbau versteht man jenen Anteil bzw. Betrag, der nicht finanziert werden muss, weil du ihn durch deine persönliche Arbeit eingespart hast. Ein Paradebeispiel sind etwa Malerarbeiten. Anstelle einen Maler um 8.000 Euro zu beauftragen (also nur die Arbeitsleistung, ohne Material), erledigst du dies also selbst. Somit reduziert sich dein Finanzierungsbetrag um 8.000 Euro. Wichtig dabei ist aber, dass du nur jene Tätigkeiten ausüben kannst, für die keine spezielle Gewerbeberechtigung oder ähnliches notwendig ist. Also nur weil du schon einmal eine Lampe angeschlossen hast, kannst du nicht die gesamte Elektrik als Eigenleistung anlegen. Außer natürlich du bist gelernter Elektriker mit entsprechendem Abschluss.

Der Vorteil der Eigenleistung liegt also darin, dass du deine Kreditkosten deutlich senken kannst. Das bedeutet in Folge auch, dass du unter Umständen dadurch gute Konditionen bekommen kannst, selbst wenn dein EIGENKAPITAL-ANTEIL nicht ganz so hoch ist, wie eigentlich notwendig.

Was geht?

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was man beim Hausbau eigentlich alles an Eigenleistung machen kann. Die Antwort zu dieser Frage ist natürlich von der eigenen handwerklichen Fertigkeit abhängig. Wer zwei linke Hände hat, sollte sich besser nicht zu weit aus dem Fenster lehnen bzw. seine Fertigkeit überschätzen, denn eines ist klar: Nachträglich kann die Finanzierung nicht einfach so aufgestockt werden. Wenn du dich also auf bestimmte eigene Leistungen festlegst, dann sei dir auch sicher, dass du diese wirklich im Alleingang erledigen kannst. Andernfalls könnte deine gesamte Finanzierung empfindlich teuer werden. Mehr zum Thema Kredit aufstocken findest du HIER.

Grundsätzlich akzeptieren Banken einen Eigenleistungsanteil von 5 – 10 % der Gesamtbaukosten. Wenn du professioneller Handwerker bist, kann der Anteil unter Umständen etwas höher ausfallen. Alles in allem liegt im KREDITVERGLEICH also mehr Sparpotential als in der Eigenleistung.

Doch schauen wir uns mal an, was überhaupt als Eigenleistung gewertet wird.

Eigenleistung Level 1

Nicht jeder ist handwerklich begabt. Allerdings gibt es Dinge, bei denen so ziemlich jeder mit anpacken kann und die zur Eigenleistung zählen, beispielsweise:

  • Tragen und Entsorgen: Eine Baustelle ist ein ständiges hin-und-her. Nicht nur Baumaterialien müssen an die richtige Stelle geschafft werden, auch Verpackungen und andere Abfälle müssen laufend entsorgt werden. Hier verbirgt sich also schon die erste Möglichkeit der Eigenleistung.
  • Ausmalen lvl 1: Wie bereits erwähnt, kannst du mit Malerarbeiten ziemlich viel Geld sparen. Wenn deine Mal-Expertise noch nicht ganz so ausgefeilt ist, kannst du ja mal im Keller beginnen – bis zu den Wohnräumen hast du dann bestimmt ausreichend Malerfahrung für perfekte Ergebnisse!
  • Adjutant: Leiter halten, Werkzeug bringen, Bits wechseln, Wasserwaage holen… Als Adjutant hast du jede Menge zu tun und kannst den Baufortschritt durch deinen hilfsbereiten Einsatz forcieren.

Eigenleistung Level 2

Wenn du schon zu den Fortgeschrittenen zählst und die Kompetenzen von Level 1 schon längst hinter dir liegen, kannst du beispielsweise folgende Eigenleistungen beim Hausbau erbringen:

  • Parkettboden: Ja, man kann Parkettboden auch selbst verlegen. Wenn du genug Ausdauer und etwas handwerklich begabt bist, ist diese Tätigkeit durchaus machbar.
  • Ausmalen lvl 2: Unter der Voraussetzung, dass das „Ausmalen lvl 1“ geglückt ist, kannst du wort-wörtlich ein Level aufsteigen und dich an den Wohnräumen versuchen.
  • Aufmauern: Auch Maurern könntest du ein dankbarer Sklave sein, etwa wenn es ums Aufmauern oder ums Ziegel-legen geht. Mit etwas Anleitung durch den Profi, kann man auch als ambitionierter Laie an dieser Stelle gute Eigenleistungen erbringen, sofern du ein Massivhaus baust…

Eigenleistung Level 3 – Endgegner

Wenn du Handwerker-Profi oder gar beruflicher Handwerker bist, versteht sich das mit der Eigenleistung in der Regel von selbst. Eine Sache sollte man aber bedenken, nämlich die der Garantie bzw. Gewährleistung bzw. Haftung. Verlegst du deine Installationen im Bad, im Fußboden, in den Wänden im Alleingang und es kommt zu einem Fehler oder gar einem Schaden, hast du keine rechtlichen Ansprüche und musst die Suppe selbst auslöffeln. Klassische Eigenleistungs-Arbeiten in Level 3 wären etwa eben Bad- und Elektro-Installationen oder aber das Verlegen einer Fußbodenheizung.

Einsparungspotentiale

Nun wo wir wissen, welche Arbeiten als Eigenleistung grundsätzlich möglich sind, stellt sich die nächste Frage nach dem Einsparungspotential. Wir gehen an dieser Stelle nicht davon aus, dass jeder einen handwerklichen Beruf gelernt hat und Elektro-Installationen beispielsweise selbst erledigen kann. Darum werfen wir einen Blick auf die genannten, einfachen Arbeiten:

  1. Malerarbeiten: Ausmalen erfordert zwar etwas Geschick, kann mit der Zeit aber gelernt werden und ist vor allem eines: Zeitaufwändig. Selbst mit Rücksprache und Einschulung eines Profis kannst du beim Ausmalen von einem Sparpotential von satten 80 % ausgehen.
  2. Bodenlegen: Ähnlich wie beim Malen ist es auch beim Bodenlegen. Mit etwas Übung, Geduld und dem einen oder anderen Tipp kannst du auch hier richtig viel Geld sparen, denn Bodenleger rechnen häufig in Quadratmetern ab!
  3. Spachteln: Spachtel-Arbeiten sind meistens sehr zeitintensiv, können aber schnell gelernt werden. Das Einsparungspotential bewegt sich hier immerhin bei 50 %.
  4. Garten: Die Gartengestaltung ist in der Regel ja ein Fass ohne Boden. Wieso nicht gleich selber von Anfang an Hand anlegen? Mit den richtigen Werkzeugen, einem grünen Daumen und ein paar hilfreichen Tipps liegt im Garten schnell ein Einsparungspotential von 100 % begraben!

Checkliste Eigenleistung: ja oder nein?

So toll die Sache mit der Eigenleistung und der Einsparung auch klingen mag, das ganze ist nicht ohne und wird leicht unterschätzt. Bevor du also deinen erforderlichen Kreditbetrag berechnest und davon deine Eigenleistungen abziehst, überlege dir bitte folgende Punkte:

  • Hast du auch wirklich die zeitlichen Ressourcen? Etwa nach der Arbeit, auch im Winter wenn es früh dunkel wird, parallel zu deinem Beruf oder Betreuungsverpflichtungen?
  • Überlege dir hinsichtlich der Zeit auch, ob du finanzielle Einbußen durch die Zeit auf der Baustelle hast, etwa Provisions-Entgang, Überstundenausfall, etc.
  • Der Zeitaufwand bringt nicht nur finanzielle Aspekte. Auch dein Familienleben wird durch deine Mehrarbeit in Eigenleistung beeinflusst werden.
  • Bist du wirklich so handwerklich begabt, oder beruht deine Einschätzung auf dem, was du dir zutraust? Unterschätze nicht, dass ungeübte Arbeiten oft wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen und die Dinge beim Profi leichter aussehen, als sie tatsächlich sind.
  • Steht deine Eigenleistung und die Zeit, die du dafür aufwendest in Relation zur Leistung? Musst du dir beispielsweise extra Urlaub nehmen um diese Arbeiten erledigen zu können? Oder Zeitausgleich? Dann überlege dir auch, wie hoch dein Stundensatz ist und wie viele Stunden du investieren musst und ob bei dieser Rechnung ein Profi nicht günstiger wäre.

Die Frage aller Fragen ist also: Welche Tätigkeiten kannst du in Eigenleistung übernehmen, die auch Sinn machen? Wichtig: Auch hier gibt es nur bei den Arbeitsstunden Einsparungen! Das Material muss immer bezahlt werden, selbst, wenn der Handwerker es aufgrund der Menge und/oder seiner Kontakte uU günstiger bekommt als du!

An die Eigenleistung angepasste Haustypen

Bauunternehmer und -anbieter kennen den Trend hin zur Eigenleistung und haben durch spezielle Haustypen darauf reagiert. Beim Kauf kannst du also schon entscheiden, in welchem Stadium du das Haus übernehmen möchtest, ganz in Abhängigkeit zu deinen handwerklichen Fähigkeiten und Talenten. Meistens wird dabei auch gleich ein Material-Paket mit angeboten.

Ausbauhaus

Hier erwirbst du nur den Rohbau. Der gesamte Innenausbau ist dann ganz alleine dein Projekt.

Belagsfertiges Haus

Hier erwirbst du einen Rohbau mit Innenausbau. Allerdings ohne Böden und nur mit Anschlüssen für die Sanitärräume. Alles restliche liegt dann an dir!

Schlüsselfertiges Haus

Hier erwirbst du ein Haus das prinzipiell fertig ist. Bis auf den Garten und die Küche…

Eigenleistung beim Hausbau: Gute Idee?

Gerade wenn du sehr handwerklich begabt bist oder einen handwerklichen Beruf ausübst, ist die Eigenleistung eine gute Option, die Kosten für das Eigentum zu reduzieren. Nichtsdestotrotz müssen auch immer die zeitlichen Ressourcen dafür gegeben sein und das alles musst du schon zum Zeitpunkt der Finanzierung wissen. Der Eigenleistungs-Anteil ist daher immer auch eine Black-Box und gewissermaßen risikobehaftet. Gerne stehen wir dir als Gesprächspartner an unserem STANDORT in deiner Nähe zur Verfügung und teilen mit dir unsere Erfahrung oder machen für dich einen Kreditvergleich!


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