schlau-finanziert
Lade Inhalte...
Bürge, Bürgschaft, Bürde, Wohnkredit
4 Bewertungen

Der Bürge ist im Grunde nichts anderes, als der Gewährleister von oder für etwas. Er steht für die Erfüllung von einer Verbindlichkeit eines anderen ein. Vor allem, wenn es um UNTERNEHMENSKREDITE geht, kommt dem Bürgen oftmals eine tragende Rolle zu. Doch auch im Bereich von privaten Wohnkrediten erfüllt der Bürge häufig eine nicht unwesentliche Funktion als Kreditsicherheit. Bürge zu sein, ist allerdings auch eine Bürde, denn immerhin trägt der Bürge die Zahlungsverantwortung, wenn der Kreditnehmer dieser selbst nicht mehr nachkommen kann. Wir schauen uns das Thema im Detail an.


Bürge, Bürgschaft – Definition

Wie eingangs erläutert, haftet ein Bürge für die Verbindlichkeiten eines anderen. Kann der Kreditnehmer beispielsweise seiner monatlichen Zahlungsverbindlichkeit nicht mehr nachkommen, muss der Bürge die Raten seiner statt tilgen. Der Bürge gewährleistet demnach die Zahlungsverpflichtung und gilt für Banken und Kreditinstitute daher als Kreditsicherheit. (Ähnlich wie eine Liegenschaft, die im Rahmen des PFANDRECHTS eingesetzt werden kann.)

Die Bürgschaft hingegen bezeichnet den rechtsgültigen Vertrag, in dem der Bürge verpflichtet wird. Es handelt sich dabei um eine Personalsicherheit (oder auch Sachsicherheit genannt), wodurch der Begünstigte einen schuldrechtlichen Anspruch gegen den Bürgen stellen kann. Solch ein Bürgschaftsvertrag ist einseitig verpflichtend, kann betragsmäßig oder zeitlich begrenzt sein, muss aber in jedem Fall schriftlich eingebracht werden, um wirksam zu werden.

Bürgen sind im Übrigen durch das Konsumentenschutzgesetz geschützt!

Appropos Bürge und Gesetz!

Die Bürgschaft ist natürlich eine Verantwortung, keine Frage. Es verwundert also nicht, dass es in der Praxis immer wieder zu Problemen kommt, wenn sich einkommens- oder vermögensschwache Personen für die Bürgschaft überreden lassen. Aus diesem Grund, wurde ein „richterliches Mäßigungsrecht“ etabliert. Das bedeutet, dass ein Richter unter Berücksichtigung sämtlicher Umstände des Bürgens die Verpflichtung vermindern oder gar erlassen kann, sofern ein außerordentliches Missverhältnis zur „finanziellen Leistungsfähigkeit“ besteht.

Umfang einer Bürgschaft

Der (Haftungs-)Umfang einer Bürgschaft ist von der Hauptschuld unmittelbar abhängig. Das bedeutet auch, dass mit dem Ende der Forderung auch die Haftung für den Bürgen endet. Allerdings haftet der Bürge auch für den Fall, dass sich die Hauptschuld ändert. Beispielsweise wenn sich der Betrag durch Verzugszinsen oder ähnliches erhöht.

Eine Bürgschaft wirkt sich negativ auf die Kreditwürdigkeit des Bürgen aus. Das bedeutet, dass seine Voraussetzungen für einen Kredit durch die Bürgschaft stark eingeschränkt werden!

Bürgschaftsformen in Österreich

Die österreichischen Bürgschaftsformen unterscheiden sich im Wesentlichen durch den Umfang der Haftung.

„Normale Bürgschaft“

In der Praxis spielt die normale Bürgschaft kaum eine Rolle. Der Bürge kann dabei erst dann belangt werden, wenn der Schuldner vom Gläubiger erfolglos gemahnt wurde. Der Zeitraum zwischen Mahnung des Schuldners und Tilgung durch den Bürgen muss jedenfalls angemessen und nicht kurzfristig sein.

Bürgschaft als „Bürge und Zahler“

Diese Bürgschaftsform ist für die Besicherung von Bankkrediten häufig und zugleich für den Bürgen auch schwerwiegend. Der Bürge dieser Form haftet nämlich ungeteilt als Mitschuldner für die gesamte noch offene Schuld. Hinzu kommt, dass sich der Gläubiger, also im Falle eines Wohnkredits, die Bank aussuchen kann, ob sie den Schuldner, den Bürgen oder beide gemeinsam in die Verantwortung zur Tilgung der Schuld zieht.

Bürgschaft bei Scheidung

Es kommt nicht selten vor, dass der eigene Ehepartner die Rolle des Bürgen und Zahlers einer Finanzierung übernimmt. Problematisch wird diese Solidarbürgschaft erst im Scheidungsfall. Es ist aber möglich, innerhalb des ersten Scheidungsjahres eine Umwandlung in eine Ausfallbürgschaft zu veranlassen. Dieser Antrag muss fristgerecht beim zuständigen Gericht gestellt werden.

Ausfallbürgschaft

Bei der Ausfallbürgschaft geht es darum, dass der Gläubiger alle zumutbaren Schritte unternommen haben muss und erst dann den Bürgen zur Tilgung der Schuld heranziehen kann. Das bedeutet, dass der Gläubiger den Schuldner ausreichend mit Mahnungen versorgt haben, die Forderung eingeklagt und eine Exekution durchgeführt haben muss. Erst wenn nachweislich bewiesen ist, dass der Schuldner nicht in der Lage ist, die Schuld selbst zu tilgen, kommt der Bürge ins Spiel.

Wichtig! Bei der Ausfallbürgschaft muss der Bürge auch für die Rechtsanwalts- und Gerichtskosten aufkommen! Dies ist bei dieser Form nicht unerheblich, zumal sämtliche Rechtsmittel zuerst ausgeschöpft werden müssen!

Bürgschaftsunterarten

Neben den genannten Bürgschaftsformen gibt es weitere Unterformen, die durch folgende Merkmale gekennzeichnet sind:

  • Höchstbetragsbürgschaft: Ein maximal vereinbarter Betrag begrenzt die Haftung des Bürgen.
  • Befristete Bürgschaft: Die Haftung des Bürgen erlischt nach einer vereinbarten Frist bzw. ab einem vereinbarten Zeitpunkt.
  • Rückbürgschaft: Hat der Bürge die Hauptschuld getilgt, hat er dem Schuldner gegenüber einen Rückgriffsanspruch. Dieser kann durch einen neuen Bürgen abgesichert werden.
  • Nachbürgschaft: Wenn der Hauptbürge nicht zahlen kann, haftet der Nachbürge.

Voraussetzungen für den Bürgen

Damit die Bürgschaft auch rechtlich gültig und nicht sittenwidrig ist, muss der Bürge natürlich auch bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

  • Der Bürge muss volljährig sein (also das 18. Lebensjahr überschritten haben).
  • Er muss eine natürliche Person sein und
  • eine gute Bonität nachweisen können, um eine wirtschaftliche Überforderung auszuschließen.

Dementgegen sind Bürgschaften ungültig oder sittenwidrig wenn:

  • Der Bürge zwar volljährig ist, aber keine ausreichende Geschäftserfahrung hat.
  • Der Bürge aufgrund einer starken emotionalen Bindung die Bürgschaft übernommen hat, oder wenn
  • der Schuldner die emotionale Situation des Bürgens für seine Zwecke missbraucht hat.

Soweit die Theorie. In der Praxis lassen sich diese Umstände hingegen nur schwer beweisen, denn Gläubiger hinterfragen das Zustandekommen einer Bürgschaft eher selten. Eine Ausnahme hinsichtlich der Sittenwidrigkeit gibt es dennoch. Und zwar die sogenannte „Ehegattenbürgschaft“. Diese besagt, dass Ehegatten füreinander als Bürgen eintreten dürfen, wenn die Schuld zu einer wirtschaftlichen Überforderung führen würde oder aber wenn sie aufgrund emotionaler Bindung übernommen wird. Allerdings wird für die Ehegattenbürgschaft ausreichend Geschäftserfahrung vorausgesetzt, um sicherzustellen, dass das Ausmaß des Bürgschaftsverhältnisses auch im vollen Umfang und samt aller Konsequenzen auch wirklich verstanden wird.

Dokumente

Um einen Bürgschaftsvertrag zu errichten, benötigt der Bürge eine ausgefüllte Selbstauskunft der eigenen finanziellen Verhältnisse, eine Ausweiskopie, eine KSV-Auskunft als auch drei aktuelle Einkommensnachweise.

Rechte des Bürgen

Der Bürge steht nicht nur in der Pflicht, die Schuld eines anderen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit zu zahlen, er hat auch Rechte! Welche, ist natürlich abhängig von der Art der Bürgschaft.

  • Übernimmt der Bürge die Zahlung der Forderung des Schuldners, kann er sehr wohl Ersatzansprüche geltend machen.
  • In Abhängigkeit der Bürgschaft hat der Bürde das Recht auf „Einrede der Vorausklage“. Das bedeutet, dass der Gläubiger zuerst alle anderen Maßnahmen der Zwangsvollstreckung ergreifen muss, bevor der den Bürgen zur Tilgung verpflichtet.
    • In dieser Zeit, bis nicht alles erfolglos versucht wurde, hat der Bürge das Recht, die Zahlung zu verweigern. Allerdings zeigt die Praxis, dass nur jene Bürgschaften in der Regel akzeptiert werden, bei denen der Bürge auf dieses Recht der „Einrede der Vorausklage“ verzichtet.
  • Der Bürge hat das Recht auf Kündigung der Bürgschaft, wenn dieses vertraglich vereinbart wurde. Kommt es beispielsweise zu einer drastischen Verschlechterung der finanziellen Lage des Schuldners, kann dieser den Bürgen auf Verlangen aus der Bürgschaft entlassen.

Bürgschaftsende

Wie bereits erwähnt, kann der Schuldner den Bürgen aus dem Bürgschaftsvertrag entlassen, sofern dies vertraglich geregelt ist. Abseits davon endet eine Bürgschaft auch, wenn der Schuldner bzw. der Bürge alle Schulden getilgt hat, oder aber wenn der Gläubiger auf sein Recht verzichtet (ja, das kommt natürlich eher selten vor, soll an dieser Stelle aber trotzdem erwähnt sein!).

Der Bürge kann von seiner Pflicht aber auch dadurch entbunden werden, wenn eine andere Person als neuer Bürge in Kraft tritt (und dieser den Bonitätsanforderungen entspricht).

Bürgschaft im Todesfall

Besonders interessant gestaltet sich der Umgang mit einer Bürgschaft im Todesfall.

Tod des (Haupt-)Schuldners: Der Bürgschaftsvertrag an sich endet durch den Tod des Schuldners. Das bedeutet aber nicht, dass mit seinem Ableben auch die Schulden getilgt werden, nein, ganz im Gegenteil! Denn im Todesfall des Schuldners, wird der Bürge der neue Hauptschuldner. Entscheidet sich dieser für den Einsatz eines Bürgen zu seiner Kreditsicherheit, wird ein neuer Bürgschaftsvertrag mit den geänderten Verhältnissen aufgesetzt.

Tod des Bürgen: Verstirbt der Bürge, endet der Bürgschaftsvertrag nicht. Das besonders prekäre daran: Neben den Vermögenswerten des verstorbenen Bürgen erben die Erben nämlich auch die Bürgschaft samt ihren Verpflichtungen mit! Um das zu vermeiden, kann vertraglich vereinbart werden, dass die Verpflichtung des Bürgens durch seinen Tod erlischt.

Tipps für Bürgen!

  • Begrenze den Betrag der Bürgschaft und halte dies vertraglich fest.
  • Nimm nur Bürgschaften an, die du auch tilgen kannst, ohne deine eigenen Lebensumstände zu gefährden.
  • Bedenke die möglichen Auswirkungen auf die eigene Kreditwürdigkeit durch deine Bürgschaft.
  • Lies den Bürgschaftsvertrag ganz genau durch! Nicht selten finden sich darin Prolongationsklauseln! Dabei handelt es sich um Verlängerungen, welche sich auch auf den Bürgen auswirken! Lass diese ersatzlos streichen, andernfalls endet die Bürgschaft für dich in einer unendlichen Haftungsgeschichte.
  • Triff diese Entscheidung nicht alleine, sondern lass dich von Experten beraten. Diese können dein frei verfügbares Kapital pro Monat ermitteln und eine Prognose berechnen, wodurch du dein Haftungsrisiko unter Umständen deutlich reduzieren kannst.

load